Monika Pichler  
Eröffnungsrede von Martin Hochleitner zur Ausstellung "Blumen im Kopf – was übrig bleibt 2"

Galerie pro arte, Hallein, Juni 2005

"Blumen im Kopf - was übrig bleibt" ist der Titel der heutigen Ausstellung von Monika Pichler, zu der ich Sie sehr herzlich begrüßen möchte. In gewisser Weise ist die Präsentation der Künstlerin ja auch ein Heimspiel, zumal sie ursprünglich aus Hallein stammt. Gleichzeitig gehört sie jedoch schon seit Jahren zu einem festen Bestandteil der Linzer bzw. oberösterreichischen Kunstszene. Monika Pichler hat in den 1980er Jahren an der ehemaligen Linzer Kunsthochschule bei Fritz Riedl bzw. Marga Persson studiert - und ist mit dieser Institution auch seit vielen Jahren nach wie vor verbunden. So bekleidet sie seit 2000 eine Assistenzprofessur im Institut für Kunst und Design an der Linzer Kunstuniversität.

Versucht man bestimmte charakteristische Strukturen bzw. Wesenszüge der künstlerischen Arbeit von Monika Pichler zu benennen, so stößt man unweigerlich auf die Aspekte Material, Identität und Erinnerung. Sie bestimmen auch das Konzept der heutigen Ausstellung, die im weitesten Sinne eine Erinnerung an die Großmutter installativ bzw. bildwirksam werden lässt. Wie bei der Einladungskarte, bei der eine Vase, die Monika Pichler von ihrer Großmutter erhielt, fotografiert und anschließend über den Siebdruck zu einer Bildformulierung wurde, erweist sich die künstlerische Arbeit von Monika Pichler als ein permanenter Aneignungs- und Transformationsprozess von sehr persönlichen Informationen, denen der Betrachter grundsätzlich nachspüren kann, die sich allerdings nicht vordergründig oder plakativ erschließen sollen. Es geht um eine persönliche und künstlerische Aneignung von Geschichte - wenn etwa das Foto der Großmutter und der Urgroßmutter sowohl durch einen Siebdruck transformiert wird als auch als Vorlage für eine Inszenierung dient, bei der sich Monika Pichler mit ihrer Tochter in einer ähnlichen Pose und mit gleichen Details bzw. Attributen fotografieren lässt.

Was hier sehr klar mit einer biografischen Komponente belegt ist, charakterisiert Monika Pichler jedoch grundsätzlich in ihrer schon seit Jahren betriebenen Thematisierung von individueller und kollektiver Identität - besonders unter einem geschlechterspezifischen Gesichtspunkt. So hat Monika Pichler in ausgesprochen dichten Werkreihen Präsentations- und Repräsentationsformen von Frauen untersucht, Rollenklischees aufgegriffen und Zuordnungen des Weiblichen analysiert. Gleichzeitig gibt es auch Werkgruppen, in denen mediale Bilder in die künstlerische Arbeit hereingeholt werden - und vielleicht ist auch dieses Hereinholen von Bildern - und das weitere serielle Arbeiten mit diesen Bildern jenes Moment, das die Position Monika Pichlers insgesamt am signifikantesten beschreiben kann. Wie bei der heutigen Ausstellung geht es ihr um einen spielerischen Umgang mit Informationen und Bedeutungen, die in Dingen, Bildern und Gegenständen, etc. eingeschlossen sind. Ein gutes Beispiel ist etwa die Uhr, die für einen ganz bestimmten Typus einer altmodischen Uhr steht - und die über den Transformationsprozess zum Bildwerk eben diesen Repräsentationscharakter noch viel eindringlicher und gegenwärtiger vorführt. Es ist hier eine Grundeinstellung berührt, die in den 1960er Jahren auch ganz wesentliche Impulse für die Konzeptkunst liefern sollte. Man denke etwa an die Arbeiten von Josef Kosuth, der in diesem Spannungsfeld von realem Gegenstand, Begriff und Bezeichnetem sehr viele Denkräume öffnen konnte. Monika Pichler arbeitet hier nicht unähnlich, in dem sie ebenfalls Zwischenräume öffnet - Räume zwischen Bild und Wirklichkeit.

Wenn es in den 1980er Jahren vor allem im Bereich der Skulptur den Begriff des "Ortsbezuges" gab, der für ein spezielle Auseinandersetzung mit konkreten Informationen eines Ortes und einer entsprechenden künstlerischen Verarbeitung stand, so trifft dies für die heutige Ausstellung von Monika Pichler insofern zu, als sie an einem Ort, der viel mit ihrer eigenen persönlichen Identität zu tun hat, auch in spezieller Weise mit einer künstlerischen Arbeit, die diesen Identitätsfaktor kommuniziert, reagiert. Sie hat sich dabei entschieden, die Gesamtkonzeption - etwa mit den Blumen - auch als Installation zu begreifen. Allerdings kann dieser Ortsbezug bei Monika Pichler auch viel grundsätzlicher verstanden werden - nämlich als permanente Arbeit über sich selbst und mit einem hohen reflexiven Ansatz über die eigene Identität.

Dr. Martin Hochleitner, Leiter der Oberösterreichischen Landesgalerie, Linz, Juni 2005.